(K) ein Team wie jedes andere

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Foto: Andreas Arens

Auf dem Foto rechts die Macher des Fußball-Integrationsprojekts freuen sich, dass die Mannschaft am Samstag in der Kreisliga loslegen kann: Saartal-Vorsitzender Helmut Kirchen, Anette Barth von der Kulturgießerei und Trainer Dzevat Nedzipovski (von links ).

Quelle: Trierischer Volksfreund - Autor: Andreas Arens | 11.08.2021

Bereits seit drei Jahren kicken sie zusammen. Aus dem „FC Flüchtlinge Kulturgießerei Saarburg“ ist nun ein offizielles Team geworden. Unter dem Dach der SG Saartal Schoden geht es am Samstag in der Kreisliga D los. So soll auch die Integration der jungen Fußballer forciert werden.

Sie kommen aus Afghanistan, Nigeria, Kurdistan oder Bosnien-Herzegowina – und sie haben eine große, gemeinsame Leidenschaft: den Fußball. Seit gut drei Jahren kicken junge Menschen – viele davon mit Fluchterfahrung – im Rahmen eines Integrationsprojektes der Kulturgießerei Saarburg. Nun wollen sie den nächsten Schritt machen, und nicht mehr nur immer trainieren oder bestenfalls Freundschaftsspiele bestreiten. Unter der Regie der Spielgemeinschaft Saartal (mit den Sportvereinen aus Schoden, Irsch/Saar, Ockfen und die DJK Trassem) kämpft die Multi-Kulti-Truppe in der neuen Saison als dritte Mannschaft in der Kreisliga D Saar  um Punkte. Ihr erstes Pflichtspiel bestreitet die SG III am Samstag, ab 18 Uhr, beim SV Tawern III.

„Es war mir ein Herzensanliegen, über unseren so geliebten Fußball die Jungs noch mehr in unsere Gesellschaft zu integrieren. Wir hatten sehr gute Gespräche mit Anette Barth und ihrem Team von der Kulturgießerei und freuen uns, dass es jetzt losgeht“, betont SG-Vorsitzender Helmut Kirchen.

Trainer Dzevat Nedzipovski ist nicht nur selbst in der Integrationsarbeit engagiert, sondern hat auch einige Erfahrungen im Fußball gesammelt. Der 43-Jährige stammt aus dem heutigen Nordmazedonien und galt in jungen Jahren als großes Talent. Mit 14 besuchte er sogar die Fußballschule des niederländischen Spitzenclubs PSV Eindhoven. In der Region hinterließ er vor allem beim VfL Trier Spuren und gehörte dem Club auch an, als die erste Garnitur in der damaligen Oberliga Südwest spielte. Später spielte Nedzipovski noch in Luxemburg.

Als das Projekt 2018 gestartet wurde, wuchs die Fußballgruppe schnell auf 40 Aktive. „Mittlerweile“, so der Coach, „sind es nicht zuletzt bedingt durch Umzüge noch knapp 20 Leute. Es gibt aber noch einige Anfragen von Jungs, die auch für uns spielen möchten – gerade, weil wir jetzt in der Meisterschaft dabei sind“.

Anfangs, so Anette Barth vom sozio­kulturellen Zentrum aus Saarburg, habe schlicht der Gedanke gestanden, jungen Menschen, die zugewandert sind, eine sportliche Betätigung zu ermöglichen. „Gerade beim Fußball findet man im Handumdrehen zueinander. Die Regeln sind weltweit die gleichen. Da ist schnell eine Kommunikation hergestellt“, weiß SG-Chef Kirchen. Und Trainer Nedzipovski  berichtet voller Stolz: „Unser Projektteam ist in den vergangenen Jahren wie eine Familie zusammengewachsen. Jeder ist für den anderen da.“ Nun wollen die Akteure aus vieler Herren Länder auch das Leben in einem intakten Verein kennenlernen.

Auf die Dauer, stellen Barth und Kirchen klar, sei die reine dritte Mannschaft in dieser Konstellation aber keine echte Integration: „Die Spieler sollen so in die SG Saartal hineinwachsen. Vielleicht kann sich der eine oder andere für eine der beiden höheren Mannschaften empfehlen oder wir gewinnen Leute für Ämter im Verein.“

Seit Jahresbeginn habe es Gespräche gegeben. Intern habe er Überzeugungsarbeit leisten müssen, lässt Kirchen durchblicken. „Dabei ging es nicht um Vorbehalte gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund, sondern nur um die Frage, ob wir das alles gestemmt bekommen.“ Eigens wurde das Orga- und Begleitteam „Vielfalt am Ball“ gegründet. Unter der Leitung von Anette Barth und Helmut Kirchen sind hier insgesamt neun Ehrenamtler engagiert (siehe Extra).

Trainiert wird seit rund zwei Monaten. Das bislang einzige Testspiel verlief beim 8:3 gegen Ligakonkurrent SV Fisch sehr vielversprechend. Die eine oder andere Hürde musste noch kurzfristig aus dem Weg geräumt werden, damit die SG III mit einem möglichst großen Kader ihr Premierenspiel bestreiten kann: Einige Spieler waren bereits in ihrem Heimatland aktiv. Hier muss über den DFB  und die Fifa der jeweilige nationale Verband kontaktiert werden. „Gut, dass uns von der Passstelle des Fußballverbandes Rheinland wirklich geholfen wird“, lobt Kirchen.

Wenn es um Punkte geht, und auch der Gegner das Spiel unbedingt gewinnen will, sei Disziplin noch wichtiger als in den bisherigen Freundschaftspartien, weiß Trainer Nedzipovski. „Disziplin ist aber auch von der jeweiligen anderen Mannschaft gefragt. Beide Seiten sollten aufeinander zugehen“, betont Anette Barth. Was das rein Sportliche angeht, hat den Trainer der Ehrgeiz gepackt: „Wir haben das Zeug dazu, aufzusteigen.“ Für den SG-Vorsitzenden ist das erst mal zweitrangig. „Die Jungs sollen in aller Ruhe ankommen und sich bei uns wohlfühlen. Das steht für mich an erster Stelle. Alles andere kommt von alleine.“

Extra
Diese Helfer unterstützen das Fußballprojekt

Das Organisations- und Begleitteam „Vielfalt am Ball“ betreut das Fußballprojekt bei der SG Saartal Schoden. Das Leitungsteam bilden dabei Helmut Kirchen und Anette Barth. Für die Öffentlichkeitsarbeit sind auch Alfred Thielen und Norbert Winkel zuständig. Weitere Helfer im „Team Vielfalt“: Stella Jeschke, Saman Ghasemloo und Oliver Steffen. Trainer Dzevat Nedzipovski wird von den Betreuern Jan Mohammad Saidie und Shamsudin Tajik unterstützt.

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